Eine Folkkneipe ist ein ungarisches Tanzhaus, wo mehr die Musik als der Tanz im Vordergrund steht. Dazu Auszüge aus dem Internetauftritt der Deutschen UNESCO Kommission e.V:

Die Táncház/Tanzhaus-Methode

Die Táncház-Methode ist ein ungarisches Modell zur Überlieferung von immateriellem Kulturerbe, das 2011 in das UNESCO-Register aufgenommen wurde. Sie zeigt, wie lebendige kulturelle Ausdrucksformen in einem losen Netzwerk vermittelt werden können.
Die Táncház-Methode steht für die aktive Überlieferung bäuerlicher Volkstänze aus dem östlichen Ungarn und Transsylvanien mitsamt der zugehörigen Musik. Tánchaz ist ein wichtiger Teil des ungarischen Volksbrauchs und war traditionell eng verknüpft mit wichtigen Stationen im Leben (Namenstag, Eintritt in die Armee, Hochzeit) wie auch mit Feiertagen (Karneval, Ostern und Weihnachten) und mit Ereignissen aus dem Bereich der Landwirtschaft (zum Beispiel Weinlese und Ernte). Nach altem Brauch haben junge Männer eine Musikgruppe engagiert und ein geeignetes Haus angemietet; daraus leitet sich der Begriff "Táncház" (Tanzhaus) ab. Unter dem Begriff versteht man jedoch viel mehr das Ereignis als das Gebäude, in dem es stattfindet.

Die Tanzhausbewegung

Seit den frühen 1970er Jahren entwickelte sich in Ungarn von der Basis her ein offenes, kulturelles Netzwerk, bestehend aus Tanzpädagogen, künstlerisch Aktiven und Folklore-Forschern, die den Táncház im städtischen Umfeld wiederbelebten. Tanzhausbewegung. Daraus wurde schnell eine wahre Táncház-Bewegung im ganzen Land und später weit darüber hinaus.

Táncház bietet in ganz Ungarn jedem und jeder, unabhängig von Alter, Vorerfahrungen oder Können, die Möglichkeit, traditionelle Tänze in einem ungezwungenen Umfeld zu erlernen und aktiv zu praktizieren. Im Unterricht der Tanzschulen, aber auch Kunst- und Volkshochschulen und allgemeinbildenden Schulen, werden traditionelle Lernmethoden (Lernen durch Nachahmung) mit moderner Pädagogik (Lernen durch die Analyse von bestimmten Schritten und Bewegungen) gemischt.

Das Táncház-Programm bietet mit der Praktizierung und Weitergabe des Tanzes und der Musik eine unterhaltsame wie auch lehrreiche Freizeitbeschäftigung, die zudem den Gemeinsinn stärkt. Durch die lebendige Weitergabe der Traditionen hat sich eine Dynamik entwickelt, durch die sich im Folkloretanz und in der traditionellen Musik neue Formen entwickeln.

In Budapest finden inzwischen an jedem Abend Táncház-Veranstaltungen statt, pro Woche gibt es rund 50 Veranstaltungen mit durchschnittlichen Besucherzahlen zwischen 50 und 150 Personen. Die größten Veranstaltungen ziehen zwischen 1.200 und 1.500 Menschen an. Im Sommer finden jährlich 80 bis 100 Táncház-Camps statt. Mit bis zu 100.000 Besuchern ist das seit 1982 jedes Frühjahr veranstaltete Táncháztalálkozó-Festival das größte Treffen der Akteure des sonst sehr losen Táncház-Netzwerks. Hier werden verschiedene Táncház-Formen aufgeführt, gleichzeitig findet eine Messe mit Verkauf von CDs, Büchern und Kunsthandwerk statt.

Táncház ist Beleg für den Erfolg eines innovativen Verfahrens, durch aktivierende Kulturveranstaltungen lebendige Traditionen zu vermitteln und zu deren Transfer ins moderne Leben beizutragen. Das sich selbst tragende und stetig ausweitende Lernmodell fördert auch das Bewusstsein für kulturelle Vielfalt. Zu den Trümpfen der Methode zählt zudem, dass sie individuell an jedes andere Projekt zur Revitalisierung von Traditionen angepasst werden kann.